Debatten im Debattierclub Buxtehude

Sollte ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden?

Geldscheine
Bildnachweis: Pixabay: moritz320

1.000 Euro monatlich pro Bürger – vernünftig oder Unfug?

Bedingungsloses Grundeinkommen - ja oder nein?

Dieser Frage ging der Debattierclub bei seinem letzten Treffen im Oktober nach. Es ist ein Thema, das alle paar Jahre erneut aufkommt und in der Gegenwart gerade wieder aktuell diskutiert wird.

Eine kleine Story

Die Pro-Gruppe begann mit einer kleinen Story:

Die Journalistin Meike Winnemuth gewann vor ein paar Jahren bei Günther Jauch in der Sendung „Wer wird Millionär?“ eine halbe Million Euro. Sie erfüllte sich einen langgehegten Wunsch, nahm sich ein Jahr frei und reiste um die Welt. Jeden Monat lebte sie in einer anderen Stadt, bereiste 12 Städte in 12 Monaten - einmal rund um den Erdball. Es war ein aufregendes, erfüllendes Lebensjahr, an dessen Ende eine überraschende Erkenntnis stand: Das viele Geld hätte sie gar nicht gebraucht!

Aber das Wissen, finanziell abgesichert zu sein, gab ihr die Freiheit, den ausgetrampelten Pfad zu verlassen und etwas Neues zu wagen (und sei es zeitlich begrenzt).

Wie wäre es, wenn jeder von uns über eine finanzielle Grundsicherung verfügte und auf dieser Basis nicht mehr gezwungen wäre, jeden Job um jeden Preis anzunehmen?

Dies waren Argumente der Pro-Gruppe:

PRO Bedingungsloses Grundeinkommen

  • Die finanzielle Grundsicherung führt dazu, dass für den Einzelnen kein ökonomischer Druck mehr besteht, jeden beliebigen und schlecht bezahlten Job annehmen zu müssen.

 

  • In weiterer Folge führt es dazu, dass Arbeitgeber von bisher schlecht bezahlten Jobs endlich höhere und angemessenere Löhne zahlen müssen, um überhaupt noch Personal zu finden.

 

  • Im Zuge der Digitalisierung fallen ohnehin immer mehr Jobs weg oder werden automatisiert. Der Strukturwandel hat gerade erst begonnen. Wir müssen unser Gesellschafts- und Steuersystem anpassen und das bedeutet: die Konzepte aus den vergangenen Jahrhunderten passen nicht mehr für die Zukunft.

 

  • Die Finanzierung? Es ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Bei z.B. 1.000 € pro Kopf ensteht ein Bedarf von 1 Billion Euro. Dies ließe sich z.B. durch die Sozialleistungen der Länder, Gemeinden und Unternehmen (ebenfalls ein Umfang von ca. 1 Billion Euro) gegenfinanzieren.

Mit diesen Argumenten konterte die Gegenseite:

CONTRA Bedingungsloses Grundeinkommen

  • Dann wollen alle das Grundeinkommen! Deutschland wird von Flüchtlingen und Einwanderern überrannt werden!

 

  • Die Leute wollen nichts mehr leisten. Sie werden es sich bequem machen! Wer will dann noch unbeliebte und schlecht bezahlte Jobs wie z.B. in der Altenpflege machen?

 

  • Wie soll man da noch auf einen grünen Zweig kommen? Wenn man von 1.000 Euro allein die Krankenversicherung zahlen muss, bleibt nicht mehr genug übrig.

 

  • Finnland hat das bedingungslose Grundeinkommen im Jahr 2018 getestet. Das Experiment hat gezeigt, dass es nicht funktioniert!

In diesem Schaubild haben wir einmal versucht, alle während (und nach) der Debatte genannten Argumente darzustellen:

Bedingungsloses Grundeinkommen - Debatte im Debattierclub Buxtehude
Bedingungsloses Grundeinkommen - Debatte im Debattierclub Buxtehude

Die Debatte ist komplex.

Auch wenn wir die Frage nicht endgültig beanworten konnten :-), so hat sich gerade bei diesem Thema mal wieder gezeigt, dass Informationen, Fakten und Wissen unabdingbar sind, um sinnvoll und zielführend an einer Debatte teilnehmen zu können. Eine gute inhaltliche Vorbereitung ist die halbe Miete.

Aber auch nur die halbe Miete.

Sprache, Stimme, Auftreten und die Fähigkeit, eine Verbindung zu den Zuhörern herzustellen, tragen entscheidend dazu bei, wir wir auf das Publikum wirken und in welchem Maße wir mit unseren Argumenten überzeugen können. Und genaus das kann man im Debattierkurs wunderbar trainieren!

 

Quelle für die Beispielfinanzierung:

"Nachgerechnet: Was kostet das bedingungslose Grundeinkommen?"

04.08.2020 ∙ Umschau ∙ MDR Fernsehen

Link zur Sendung in der ARD Mediathek

 

Bildnachweis: Pixabay/ moritz320

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